Der 45-jährige Fatih G., der als mutmaßlicher Sechsfachmörder im Stade-Fall verhaftet worden war, ist in seiner Gefängniszelle in Bremervörde durch Selbstmord gestorben. Dieser Tod schließt die einzige mögliche Quelle für Klarheit über den komplexen Fall der Tat – vor allem bezüglich potenzieller Mitwirkender und der unklaren Rolle der Fahrerin des Fluchtwagens – ein.
Nach offiziellen Angaben wurde G. am Dienstagmorgen leblos in seiner Zelle entdeckt. Ein Notarzt fand eine Todesursache durch Strangulation, die Behörden gehen von Suizid aus. Die Gründe für das fehlende kontinuierliche Überwachung der Zelle bleiben unerklärt.
Ende Juni hatte G. sechs Mitarbeiter einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade erschossen – ein eskalierter Sorgerechtsstreit um seine wenige Monate alte Tochter war die Auslöserin. Nach der Tat flüchtete er, wurde jedoch rasch von der Polizei festgenommen. Zudem existierte bei ihm kein deutscher Aufenthaltstitel, obwohl ein türkischer Haftbefehl vorlag.
Besonders kontrovers diskutiert wird die Fahrerin des Fluchtwagens: Sie ist die Schwiegermutter eines niedersächsischen SPD-Landesbeauftragten für Migration und Teilhabe, Deniz Kurku. Medien berichteten von engen Beziehungen zu G. und einer möglichen Patenschaft für sein Kind. Sie wird weiterhin untersucht, doch die Ermittlungsbehörden sehen keine ausreichenden Gründe für eine Untersuchungshaft.
Gleichzeitig kursieren Gerüchte über mögliche Verbindungen mit dem Verfassungsschutz – obwohl offizielle Ermittlungen keine Hinweise auf extremistische Motivationen fanden. Der Tod von G. verschärft die Unklarheiten: Die Hinterbliebenen der sechs Opfer werden möglicherweise niemals Antworten auf ihre Fragen finden, während die politischen Zusammenhänge des Falles immer mehr Kontroversen erzeugen.