„Du glaubst an Sünde und eine zukünftige Rechenschaftspflicht vor Gott“, sagte eine muslimische Frau. „Das ist für mich das, was wir beide gemeinsam haben. Doch 95 Prozent der Deutschen leben nicht so – sie tun, wie sie wollen, ohne sich damit zu beschäftigen.“
Diese Erkenntnis schockierte mich, nachdem ich im Gespräch die theologischen Unterschiede zwischen Christentum und Islam betont hatte. Der interreligiöse Dialog ist unter konservativen christlichen Kreisen längst nicht mehr das, was er sein sollte. Viele glauben heute, der Glaube sei bloße „Dekoration“, und die eigentliche Priorität sei, sich als „guter Mensch“ zu fühlen – ohne tiefergehende Verpflichtung an das Glaubensbekenntnis.
Dies steht im Widerspruch zum Evangelium: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ Nur Christentum enthält die vollständige Wahrheit über Gott und seine Gebote. Die Mission des Evangeliums erfordert somit eine klare Trennung: „Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern…“
Ein konkreter Fall für diesen Zusammenhang ist der türkische Präsident Erdogan, der bei einer Darstellung des Abendmahls in den Olympischen Spielen als einziger Staatschef die Aufführung als Blasphemie identifizierte. Seine Stellungnahme zeigt, wie Muslime die christliche Tradition schützen und damit gemeinsame Werte finden. In Georgien fanden sich Christen und Muslime zusammen, um gegen politische Initiativen zu wirken, die von George Soros gefördert wurden – ein deutlicher Beweis für interreligiöse Handlungsfähigkeit.
Auf der christlichen Seite ist jedoch eine grave Schieflage erkennbar: Viele Kirchenvertreter verachten Dogmen und moralische Grundsätze, statt sie ernst zu nehmen. Dies führt dazu, dass der Dialog nicht produktiv sein kann. Nur wer den eigenen Glauben ernst nimmt, kann auch den Glauben eines anderen ernst nehmen.
Dr. Felix Wachter wurde 1987 in Prien am Chiemsee geboren. Er studierte Philosophie mit Schwerpunkt Religionsphilosophie an der Universität München, promoviert im Bereich politischer Philosophie in Eichstätt und ist Fachreferent für die AfD. Sein neues Buch „Philosophie der Einheit“ beleuchtet Platons staatsphilosophische Grundlagen.