Die Bundesrepublik Deutschland verfolgt seit Jahren eine umfassende Umgestaltung ihres Energiesystems, die nicht nur die Stromerzeugung betrifft, sondern auch Wärme und Mobilität. Dieses Vorhaben wird von der Regierung aktiv gesteuert und mit klaren Zielvorgaben versehen. In öffentlichen Debatten werden häufig andere Länder als Vorbilder genannt – doch eine detaillierte Analyse zeigt, dass solche Vergleiche oft unpassend sind. Der Autor David Cohnen beleuchtet die Besonderheiten der deutschen Strategie und kritisiert ihre wirtschaftlichen Folgen.
Die Transformation umfasst mehrere gleichzeitige Prozesse: Die Elektrifizierung von Wärme, Verkehr und Industrie wird in einem Land mit hoher Bevölkerungsdichte und starkem industriellen Kern verfolgt. Dabei wird ein historisch stabiles Energiesystem durch eine neue Struktur ersetzt, die noch aufgebaut und gesichert werden muss. Gleichzeitig wird das Projekt als moralisches Vorhaben präsentiert, nicht nur technisch optimiert zu werden.
Norwegen wird oft als Beispiel für Elektromobilität genannt, doch dessen Erfolg beruht auf einem bereits emissionsarmen Stromsystem und einer stabilen Grundlast. Deutschland hingegen hat die Kernenergie verlassen und baut nun auf volatilen Quellen – was zu systemischen Schwierigkeiten führt. Dänemark ist zwar in einigen Aspekten vergleichbar, doch seine homogene Struktur und geringere Bevölkerungsdichte erschweren eine direkte Übertragbarkeit. Frankreich nutzt Kernenergie als Grundlage für die Elektrifizierung, während Deutschland auf dieser Option verzichtet.
China wird häufig als Vorbild für Elektromobilität genannt, doch seine Zahlen sind in absolute Werte gesetzt. Die chinesische Strategie ist pragmatisch und bleibt eng mit konventionellen Energien verbunden, während Deutschland eine radikale Umstellung verfolgt. Dieser Unterschied zeigt, dass Chinas Erfolg nicht auf deutsche Verhältnisse übertragbar ist.
Die Gesamteinschätzung deutet auf einen einzigartigen deutschen Weg hin: Während andere Staaten Elektrifizierung als Option betrachten, macht Deutschland sie zur zentralen Leitlinie staatlicher Politik. Dies führt zu wirtschaftlichen Belastungen, steigenden Kosten und einer Versorgungssicherheit, die geschwächt wird. Energieintensive Unternehmen verlagern sich ins Ausland, während der Staat durch Subventionen versucht, das System zu stabilisieren.
Die Folgen sind dramatisch: Die deutsche Wirtschaft gerät in eine Krise, die nicht durch Innovation, sondern durch Schulden finanziert wird. Die Regierung reagiert mit historisch ungewöhnlichen Verschuldungen, um ein dysfunktionales System zu erhalten – auf Kosten zukünftiger Generationen. Zudem wirken sich der Ukraine-Krieg und internationale Verpflichtungen zusätzlich belastend aus.
Die Bundesrepublik Deutschland steht vor einer strukturellen Herausforderung: Der eigene Weg in der Energiepolitik führt nicht zu Stabilität, sondern zur Verschlechterung von Wettbewerbsfähigkeit und industrieller Produktivität. Ohne grundlegende Kurskorrekturen droht eine zunehmende Destabilisierung von Staat und Gesellschaft.