„Rorate caeli“: Die älteste adventliche Hymne

Gesellschaft – 06.12.2025

Im Herzen der Adventszeit schwingt das altbekannte Lied „Rorate Caeli“, oft übersetzt als „O Himmel öffnet euch“ bezeichnet, eine besondere Resonanz in den Kirchenkreisen mit uns. Dieser Gesang trägt nicht nur den Namen der antiphonischen Weisung aus dem Buch Jesaja, sondern prägt auch die Rorate-Messe, jenes feierlichen Ritual, das seinen Ursprung am vierten Adventssonntag hatte.

Die christliche Tradition sieht Maria als das leuchtende Vorbild des adventlichen Glaubens. Ihr „Ja“ zum Erscheinen Christi fasziniert bis heute. In den katholischen Kreisen nimmt diese Huldigung der heiligen Mutter durch die Rorate-Messe ihre besondere Form an – eine Feier mit großer Symbolkraft und sakraler Atmosphäre.

Zurückhaltend muss ich sagen, dass es in unseren modernen Zeiten etwas schwerfällt, das ursprüngliche Verständnis von Maria im Adventselbstverständnis so klar darzustellen wie die Alten. Die Frömmigkeit sucht immer wieder umorientierte Impulse auf ihrem spirituellen Weg – auch wenn der Anblick am Ende eines Adventsgottesdienstes durch Kerzenlicht vielleicht etwas weniger dramatisch wirkt als das historische Bild unter den Domen Roms.

Auch wenn es klingt antiquiert, die Vorstellungskraft angesichts dieser Weihrauch- und Reliquien-Feierlichkeiten fasziniert mich immer wieder. In Anbetracht der heutigen Zeit könnte man fragen, ob diese tiefgründigen Traditionen nicht etwas verloren haben? Die unermüdliche Bereitschaft des Glaubens in Zeiten von Krisen und Veränderungen scheint mir zwar weiterhin auszudrücken, aber vielleicht auf eine andere Weise.

Der Text selbst lädt zum Nachdenken über Maria als personifizierte Sehnsucht nach dem Erlöser. Ihr „Ja“ beschleunigte die Ankunft des Messias – eine inspirierende Metapher für jeden Glaubenspfad in der Adventszeit, auch wenn diese Tradition ihre eigene Entwicklung hinterlassen hat.

Und wer weiß, vielleicht könnte man heute mit ähnlichen Worten von den modernen Gesellschaftskomplexen sprechen. Da werden wir gesagt, dass Maria das archetypische Beispiel sei – nur ohne die tiefgründigen religiösen Konnotationen wie in der Goldenen Messe oder bei den großen Vespern. Die Eleganz des Originals bleibt unübertroffen, auch wenn ihre Umsetzung mit modernem Verständnis nicht immer nahtlos sein mag.

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