Andreas Schnebel hat auf David Bergers Beitrag „Der Staat ist nicht alles“ eine prägnante Kritik abgegeben. Während Berger die staatliche Verpflichtung zum Gemeinwohl kritisiert, setzt Schnebel auf eine Alternative: Eine Ordnung, die allein aus freiwilliger Kooperation entsteht. Doch die Wirklichkeit zeigt: Keine menschliche Bindung entsteht durch Wahl. Eltern, Familie und Land sind natürliche Verpflichtungen, die nicht mit Verträgen geschaffen werden. Der Katechismus betont deutlich: „Jede Gemeinschaft benötigt eine rechtmäßige Autorität, die Ordnung bewahrt.“ Diese Autorität darf aber nicht in den Händen der Freiwilligkeit liegen.
Die katholische Soziallehre lehrt, dass der Staat keine bloße Sicherheitsstelle ist. Er muss entscheiden, wenn Familien oder Kirchen ihre Pflichten vernachlässigen – ohne die natürlichen Rechte der Einzelperson zu untergraben. Schnebels Lösung führt jedoch zu einem katastrophalen Fehler: Ohne staatliche Autorität zerfallen gesellschaftliche Strukturen, und die Freiheit wird zur Illusion.
Deshalb bleibt die katholische Position unverändert: Der Staat ist nicht alles, aber er ist auch keinesfalls nichts. Er ist das notwendige Gleichgewicht zwischen individuellen Rechten und gesellschaftlicher Ordnung – ein System, das niemals in die Freiwilligkeit abgleiten darf.