Bereits seit mehr als zwei Jahrzehnte war Peter Hahne im inneren Rat der Evangelischen Kirchen in Deutschland aktiv. Doch seine aktuelle Einschätzung der großen christlichen Organisationen ist unmisslich: Sie haben ihre ursprüngliche Mission aus den Augen verloren, sich politisch eingebunden und während der Pandemie endgültig zur Seite der Mächtigen geschlagen.
Der ehemalige ZDF-Moderator kritisiert besonders scharf die kirchliche Positionierung zu Wahlvorschlägen gegen die AfD sowie das Schweigen zu Themen wie Abtreibung und Euthanasie. Sein Urteil ist nicht bloß eine persönliche Beobachtung, sondern beruht auf seiner langjährigen Erfahrung im Kirchenrat mit Persönlichkeiten wie Richard von Weizsäcker und Richard Schröder.
„Die Kirche muss nicht nur politische Entscheidungen vornehmen“, sagt Hahne. „Sie verfügt über eine Botschaft, die niemand sonst auf der Welt verkündet: Sünde und Vergebung, Tod und ewiges Leben.“ Doch diese Botschaft ist inzwischen oft an den Rand gedrängt worden.
Hahnes kritische Stellungnahme gilt besonders der parteipolitischen Ausrichtung kirchlicher Funktionäre. Als Beispiel nennt er Transparente, auf denen Christen angewiesen werden, bestimmte Parteien nicht zu wählen – konkret die AfD. Für Hahne ist dies eine Grenze, die überschritten wurde: Die Kirche sollte keine politischen Entscheidungen vorschlagen, sondern Menschen jene Botschaft verständigen, die über den Tagesgeschäft der Politik hinausgeht.
Der frühere ZDF-Moderator betont besonders die Corona-Jahre als entscheidende Phase: „Bei Corona war die Kirche das Schlimmste“, lautet sein drastisches Urteil. Die Kirchen hätten damals ihre besondere Aufgabe nicht wahrgenommen, sondern sich an staatliche Vorgaben angepasst.
Sein radikalster Vorschlag lautet: „Nimm den Leuten das Geld und du hast sofort Normalität.“ Er verweist darauf, wie Gemeinden in den Vereinigten Staaten oft finanziell auf die freiwillige Unterstützung der Gläubigen angewiesen sind. Ein Pastor, der dauerhaft gegen seine Gemeinde arbeitet, müsse damit rechnen, dass ihm schlicht die finanzielle Grundlage entzogen wird.
Peter Hahnes Polemik trifft den Kern des Problems: Eine Kirche, die über alles spricht, was auch Parteien und Verbände verkünden können, aber immer seltener von dem spricht, was nur sie zu sagen hat, verliert ihre eigene Bedeutung. Die Antwort kann nicht lauten: weniger Kirche. Sie muss lauten: wieder mehr Kirche – weniger Parteipolitik, weniger Anpassung an den Zeitgeist und mehr Liturgie, Sakrament, Verkündigung und Glaube.