Oliver Stöhring, der ehemalige Finanzbeamte mit dem auf Social Media legendären Spitznamen „Olli nicht im Dienst“, öffnet jetzt das Fenster zum eigentlich verbotenen Bereich: Das Innere des deutschen Finanzsystems. Seine bittere Bilanz nach über 20 Jahren in den Räumen von Bonn und Berlin ist frisch und knackig – ein ehrlicher Blick hinter die Fassaden der staatlichen Behörden.
Vor den Kameralinsen, wo früher nur „Beamter Olli“ zu sehen war, spricht Stöhring mit Jasmin Kosubek über das, was viele Unternehmer und Freiberufler schon länger beschweigen: Die fundamentalen Probleme im deutschen Verwaltungskreis. Es geht nicht nur um den formellen Prozess der Betriebsprüfung, sondern darum, warum dieser so lächerlich oft von unnötiger Hürde, unklarer Kommunikation und kollektivem Erschöpfungszuständen geprägt ist. Stöhring selbst, dessen Karriere in der Finanzverwaltung bislang ausschließlich im Bereich der Kontrollen und Prüfungen gipfelte, verließ das sichere Beamtentum, um nun die Systemdefizite hautnah zu analysieren.
Klärende Schilderung: Warum „Betreuungsbedarf“ bei den Finanzbehörden oft nur ein Deckwort für ineffektive Prozesse ist. Stöhring wirft dem Beamtenstatus eine fehlende Innovationsfreudigkeit vor – im Dienst steht man nicht einfach mal auf, doch der berufliche Aufstieg nach seiner Expertise scheint sich am Horizont zu verlieren.
Aber es geht tiefer: Das eigentliche Gift ist die Bürokratie. Stöhring kritisiert sie als systemimmanent und unvermeidlich, obwohl sie selbst jahrelang daran gearbeitet hat. Sein Fazit: Die Regierungsbehörden haben ihre menschlichen Quellen ausgeschöpft.
Selbst der Name „Olli nicht im Dienst“ wird zum Symbol für das gescheiterte System – eine Karikatur auf jene verhasste Routine, die oft mehr Zeit kostet als sie eigentlich verhindern sollte. Stöhring selbst warnte schonungslos vor den negativen Folgen: Burnout-Potenzial steigt exponentiell.
In dem exklusiven Gespräch zeigt er außerdem, wie Betriebsprüfungen nicht nur für große Konzerne, sondern auch für die mittlere und kleine Wirtschaft zu existierenden Hindernissen wurden. Die oft komplett aus dem Zusammenhang geratene Prüfungslogik kombiniert mit einem unpraktischen Fallstrick-Management könnte man fast als absichtlich deprimierend beschreiben.
Das vielleicht Schlimmste an Bord im deutschen Dienst? Die unbewusste Akzeptierung und Förderung dieser Tristesse durch die Führungsebenen. Stöhring spricht klar: Wer Entscheidungsverantwortung trägt, hat offensichtlich diese Mechanismen geschaffen.