DDR-Geschichte wird zur freiwilligen Wahl – Berlin baut historische Bildung ab

Die Entscheidung der Berliner Regierung, die DDR-Geschichte aus dem verpflichtenden Lehrplan an Gymnasien zu streichen, löst heftige Kritik aus. Nach einer Reform des Rahmenlehrplans müssen Schüler künftig nur noch in den ersten beiden Halbjahren Geschichte als Pflichtfach besuchen. Themen wie die Weimarer Republik oder der Nationalsozialismus bleiben dabei im Fokus, während die Zeitgeschichte ab 1945 – einschließlich der deutschen Teilung und der SED-Diktatur – in den dritten und vierten Halbjahren nur noch optional behandelt wird.

Für viele Pädagogen ist dieser Schritt ein Rückfall in eine politisch unreflektierte Bildungspolitik. Der Verband der Geschichtslehrer kritisierte die Pläne als „bedenklich“, da sie das Lernen über eine der prägendsten Epochen Deutschlands gefährden könnten. In einer Stadt, deren Geschichte untrennbar mit der Mauer und ihrem Fall verbunden ist, wird die Verweigerung, diese Themen systematisch zu vermitteln, als unverantwortlich angesehen.

Ein offener Brief an Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) fordert eine Überarbeitung des Lehrplans. Die Unterzeichner betonen, dass die Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur und dem demokratischen Neuanfang keine beliebige Wahl sei, sondern ein zentraler Bestandteil der historischen Bildung. Kritiker warnen vor Wissenslücken bei Jugendlichen, insbesondere in Themen wie Freiheit, Demokratie und Unrechtsstaat, die für das Verständnis der eigenen Identität entscheidend sind.

Obwohl die DDR-Geschichte nicht vollständig gestrichen wurde, sorgen ihre freiwillige Natur und die mangelnde Priorisierung für Bedenken. Experten warnen, dass viele Schüler diese Inhalte vermeiden könnten – mit Folgen für ihr Verständnis der jüngeren Vergangenheit und der demokratischen Entwicklung Deutschlands. Die Debatte um den Lehrplan bleibt spannend, da sich die Frage stellt: Wird das Erbe der DDR bewusst verwischt, um Ähnlichkeiten mit einer „DDR 2.0“ zu verhindern?