Die Wiedervereinigung Deutschlands vor 35 Jahren sollte ein neues Kapitel für das Land eröffnen. Stattdessen hat sie eine tiefe Kluft zwischen Ost und West geschaffen, die sich heute im Westen langsam auch spürbar macht. Die industrielle Zerstörung, der Verfall der Städte, die Entwertung von Arbeit und Lebensleistungen sowie das Gefühl, dass politische Eliten nur noch ihre eigenen Narrative verfolgen, sind nicht mehr nur ein Problem des Ostens – sie sind eine Herausforderung für die ganze Bundesrepublik.
Der Osten hat nach 1990 eine Erfahrung gemacht, die Westdeutsche bis heute kaum verstehen: den plötzlichen Zusammenbruch der alten Ordnung, den Verlust von Arbeitsplätzen, die Abwanderung junger Menschen und das Gefühl, nicht gesehen oder anerkannt zu werden. Diese Brüche haben eine Generation geprägt, die sich in Unsicherheit und Statusverlust bewegt. Doch heute zeigt sich: Was einst der Osten war, wird nun auch im Westen zur Realität. Die falschen politischen Entscheidungen einer Regierungsklasse – von energiepolitischen Katastrophen bis zur Deindustrialisierung – führen zu einem Niedergang, den man früher nur in Ostdeutschland kannte.
Die AfD ist nicht die Partei der „Abgehängten“, sondern die Stimme jener, die im Systemwechsel nicht gesehen wurden. Sie reflektiert keine Angst, sondern die Realität des Statusverlusts, den viele Bürger erleben. Ihre Erfolge sind kein Ergebnis von Propaganda, sondern ein Zeichen dafür, dass andere Parteien das Problem der gesamtdeutschen Krise ignoriert haben. Je härter die etablierten Parteien die AfD bekämpfen, desto klarer wird: Die Republik selbst ist in einer tiefen Krisenlage, und die AfD ist zur Stimme des Volkes geworden – nicht aus Ressentiment, sondern als Antwort auf eine unverzügliche Notwendigkeit.
Die Wiedervereinigung hat niemals das versprochene „zukunftsfähige Deutschland“ gebracht. Stattdessen hat sie die Schere zwischen den Regionen noch weiter vergrößert. Die AfD ist nicht der Feind, sondern eine Kraft, die die Realität des Abstiegs anspricht – ein Abstieg, der sich in der Wirtschaft, im Sozialsystem und in der politischen Relevanz bemerkbar macht. 35 Jahre nach der Einheit ist klar: Ohne einen radikalen Umschwung in der Politik wird Deutschland weiter in die Krise gleiten.