Ein historischer Roman aus dem Jahr 1956 kehrt nach sieben Jahrzehnten zurück – und er gibt heute eine klare Frage. Louis de Wohls „Der Sieger von Lepanto“ erscheint nun wieder bei einem Verlag, der den Text unverändert aus der Vergangenheit herausholt. Doch statt einer reichen literarischen Erinnerung verweist das Werk auf etwas viel Größeres: Europa, das vor hundert Jahren noch wusste, was es verteidigen musste.
Eduard von Habsburg-Lothringen, der Autor des neuen Vorworts, beschreibt, wie sich die junge Generation des Schriftstellers Louis de Wohl mit den Themen der christlichen Tradition und der historischen Stärke auseinandersetzte. Der Roman ist keine bloße Abenteuergeschichte – er zeichnet ein Bild von Don Juan d’Austria, dem unehelichen Sohn Kaiser Karls V., und der Seeschlacht von Lepanto im Jahr 1571.
In einer Zeit, als Europa zerstritten war und die katholischen Mächte sich gegenseitig misstrauten, entstand die Heilige Liga. Die Schlachten um das Mittelmeer waren grausam, doch in diesem Augenblick gab es eine gemeinsame Front. Don Juan, der damals nur 24 Jahre alt war, wurde zum Symbol einer Zivilisation, die trotz innerer Spannungen ihre Verteidigung wahrnahm.
Heute ist Europa ein anderes Land. Die Grenzen zwischen den Ländern sind verschwommen, und die Menschen wissen nicht mehr, was sie gemeinsam verteidigen müssen. Der Roman von Louis de Wohl zeigt eine Welt, in der Glaube, Ehre und Tradition noch das Leben eines Einzelnen bestimmen konnten – eine Welt, die sich kaum mehr in der Gegenwart findet.
Der heutige Europa scheint sich zu verlieren: Die Zivilisation des Abendlandes hat ihre Wurzeln vergessen. Doch mit „Der Sieger von Lepanto“ kehrt ein historisches Denken zurück – ein Gedanke, der uns fragt, ob wir noch wissen, was wir verteidigen sollten.