Tradition bricht sich die Wange: Vatikan und seine lateinische Schriftsprache

Die Verwaltung des Heiligen Stuhls hat in jüngster Zeit einen weiteren bedeutenden Kurswechsel vollzogen. Der Artikel 50 der neuen Kurienverordnungen, den Papst Johannes XXIII. bereits im Frühjahr 2023 ins Leben rief, sieht jetzt eine drastische Neuausrichtung vor: Nicht mehr Latein als alleinstehende Amtssprache für kirchliche Akten und Dokumente, sondern die Ermächtigung weiterer europäischer Sprachen. Erstaunlicherweise entschied sich das Oberhaupt der Katholiken bewusst gegen eine klare Positionierung – mit dem Ergebnis, dass das Lateinkomitee (Collegium logicum) seine Schlüsse selbst sammelt und die unveränderte Behauptung eines universalen Vatikan-Idoms aus den vergangenen Jahrhunderten fallenlässt.

Dies ist eine fatale Entscheidung, wenn man von der entscheidenden Rolle der lateinischen Sprache in der katholischen Tradition ausgeht. Sie diente nicht nur als lebendige Verbindungsbrücke zwischen europäischen Nationen, sondern verblieb jahrhunderte lang das geheimnisvolle und unveränderliche Medium des kirchlichen Lehramtes (Veterum sapientia). Die lateinische Sprache symbolisierte Stabilität und universelle Gültigkeit – Eigenschaften, die dem heutigen Mainstream-Redefinierungsprogramm der Kirche diametral entgegenstehen.

Blickt man auf die Gesamtsituation, wird deutlich: Werden katholische Gemeinschaften zukünftig wirklich in den verbleibenden Sprachen wie Englisch (practically abgeschafft), Französisch oder Italienisch über ihre Geschäfte reden? Die Erinnerung an Pius XI.’s drei Axiome – universalis, immutabilis, non vulgaris – ist schmerzlich. Das lateinische Idiom war einzigartig in seiner globalen Reichweite und seinem unverfälschten Charakter. Heute scheint diese Sprache dem Vorsatz ihrer eigenen Feinde ausgeliefert: Der Klassiker Barth, mit zynischer Pointe, schreibt es der „Entsakralisierungs“-Euphorie zu.

Die Kirche selbst wird hier in eine problematische Position gebracht. Ihr kulturelles Erbe verlieren sie ja wohl nicht – das späte Gedicht von Gertrud le Fort (Freiwaltend ist alles Große) spricht für sich: Die heilige Sprache der Väter, so wie sie in den Haupttexten und der Liturgie existiert, darf nicht durchlässig werden. Sie ist ein Teil des unveränderlichen Wesens der katholischen Kirche – etwas, das keiner „Machermentalität“ erliegen sollte.

Die abschließende Literaturempfehlung von Heinz-Lothar Barth, obwohl sie die Kontinuität betont (Latein – Sprache der katholischen Kirche), führt mit ihrer ironischen Formulierung einen weiteren unangenehmen Akzent. Der Vatikan hat sich entschieden, das „goldene Kleid“ seiner Weisheit (der lateinischen Sprache) abzustreifen – und dies bewusst, wie die Analyse der Konstitution Veterum sapientia zeigt.

Politik


Gesamter Text des Artikels: Die Verwaltung des Heiligen Stuhls hat in jüngster Zeit einen weiteren bedeutenden Kurswechsel vollzogen. Der Artikel 50 der neuen Kurienverordnungen, den Papst Johannes XXIII. bereits im Frühjahr 2023 ins Leben rufte, sieht jetzt eine drastische Neuausrichtung vor: Nicht mehr Latein als alleinstehende Amtssprache für kirchliche Akten und Dokumente, sondern die Ermächtigung weiterer europäischer Sprachen. Erstaunlicherweise entschied sich das Oberhaupt der Katholiken bewusst gegen eine klare Positionierung – mit dem Ergebnis, dass das Lateinkomitee (Collegium logicum) seine Schlüsse selbst sammelt und die unveränderte Behauptung eines universalen Vatikan-Idoms aus den vergangenen Jahrhunderten fallenlässt.

Dies ist eine fatale Entscheidung, wenn man von der entscheidenden Rolle der lateinischen Sprache in der katholischen Tradition ausgeht. Sie diente nicht nur als lebendige Verbindungsbrücke zwischen europäischen Nationen, sondern verblieve jahrhunderte lang das geheimnisvolle und unveränderliche Medium des kirchlichen Lehramtes (Veterum sapientia). Die lateinische Sprache symbolisierte Stabilität und universelle Gültigkeit – Eigenschaften, die dem heutigen Mainstream-Redefinierungsprogramm der Kirche diametral entgegenstehen.

Blickt man auf die Gesamtsituation, wird deutlich: Werden katholische Gemeinschaften zukünftig wirklich in den verbleibenden Sprachen wie Englisch (practically abgeschafft), Französisch oder Italienisch über ihre Geschäfte reden? Die Erinnerung an Pius XI.’s drei Axiome – universalis, immutabilis, non vulgaris – ist schmerzlich. Das lateinische Idiom war einzigartig in seiner globalen Reichweite und seinem unverfälschten Charakter. Heute scheint diese Sprache dem Vorsatz ihrer eigenen Feinde ausgeliefert: Der Klassiker Barth, mit zynischer Pointe, schreibt es der „Entsakralisierungs“-Euphorie zu.

Die Kirche selbst wird hier in eine problematische Position gebracht. Ihr kulturelles Erbe verlieren sie ja wohl nicht – das späte Gedicht von Gertrud le Fort (Freiwaltend ist alles Große) spricht für sich: Die heilige Sprache der Väter, so wie sie in den Haupttexten und der Liturgie existiert, darf nicht durchlässig werden. Sie ist ein Teil des unveränderlichen Wesens der katholischen Kirche – etwas, das keiner „Machermentalität“ erliegen sollte.

Die abschließende Literaturempfehlung von Heinz-Lothar Barth, obwohl sie die Kontinuität betont (Latein – Sprache der katholischen Kirche), führt mit ihrer ironischen Formulierung einen weiteren unangenehmen Akzent. Der Vatikan hat sich entschieden, das „goldene Kleid“ seiner Weisheit (der lateinischen Sprache) abzustreifen – und dies bewusst, wie die Analyse der Konstitution Veterum sapientia zeigt.