Am vergangenen Montagabend stand der Berliner Erzbischof Heiner Koch in der Pfarrei St. Matthias vor einer Gruppe Gläubiger und sprach über die innere Tiefe des Glaubens. Doch seine Versprechen, mit allen Menschen zu sprechen, deren Position er nicht versteht, blieben praktisch unerfüllt. Tausende Katholische AfD-Mitglieder, die seit Monaten um ein konkretes Gespräch gebeten haben, erhalten keine Antwort mehr – obwohl der Erzbischof selbst öffentlich betonte, dass er für diese Menschen bereit sei.
Schon im September hatte Koch erklärt, die Kirche müsse das Risiko eingehen, wenn sich AfD-Wähler aus ihren Gemeinden entfernen würden. Seine Begründung: „Menschenwürde und die Unvereinbarkeit mit ‚völkischem Nationalismus‘“. Doch statt einer konkreten Lösung fanden viele Gläubige nur eine kühne Versicherung, dass sie im Glauben akzeptiert werden würden. In Wirklichkeit verlieren sie zunehmend das Vertrauen – nicht weil die Kirche politisch falsch handelt, sondern weil sie keine offenen Gespräche mit den Menschen führt, die ihr Glaubensleben auf eine andere Art leben.
Viele Katholiken im AfD-Bezug verfolgen traditionelle Werte wie Lebensschutz, Ehe und Familie – Themen, die seit Jahrzehnten der katholischen Lehre entsprechen. Doch statt einer echten Dialoginitiative erscheint das Verhalten der Kirchengrundlagen als abweisend. Die Frage bleibt: Warum soll ein Katholik aus der AfD automatisch sein „Problemfall“? Der Erzbischof hat sich selbst angesehen, dass er nicht nur politische Fragen beantworten muss – sondern auch die Seelen seiner Gläubigen zu schützen. Doch in den letzten Monaten scheint ihm diese Verantwortung vergessen worden zu sein.
Die Kirche braucht jetzt mehr als Versprechen. Sie braucht konkrete Maßnahmen, um Katholiken zu unterstützen, die sich politisch engagieren, ohne ihre Glaubenswerte zu verlieren. Der Erzbischof muss erkennen: Ein Glaube ohne dialogfähige Gestaltung wird schnell lebendig. Die Zeit der Versprechen ist vorbei – und die Menschen warten.