Der norditalienische Bischof Antonio Suetta aus dem Bistum Ventimiglia-San Remo hat eine strategische Veränderung in der pastoralen Arbeit seiner Diözese bekanntgegeben. Ausgehend von seinem Pfingsthirtenbrief betont er, dass die Evangelisierung muslimischer Gemeinschaften nun einen zentralen Platz in den katholischen Kirchenprozessen einnehmen soll.
Der Schritt folgt dem vom Papst ausgerufenen Franziskusjahr zum 800. Todestag des Heiligen Franziskus von Assisi, das bis Januar 2027 dauert. Suetta erinnert an die historische Begegnung zwischen dem Heiligen und Sultan Malik al-Kāmil im Jahr 1219 – ein Vorzeigefall für Dialog ohne Waffen, sondern durch Glaube und Nächstenliebe.
Zusammen mit der Konzilsdeklaration „Nostra Aetate“ aus dem Zweiten Vatikanischen Konzil wird betont, dass Muslime wie Christen Monotheisten sind und daher eine respektvolle Achtung sowie einen offenen Dialog verdienen. Dies führe zu einer gemeinsamen Verantwortung für die Würde jedes Menschen.
„Die Aufnahme des Fremden, die Nächstenliebe und das Zeugnis eines glaubwürdigen christlichen Lebens gehören untrennbar zur Evangelisierung“, erklärt Suetta. Ab dem kommenden Pastoraljahr 2026/2027 werden Bildungsprojekte und Begegnungsmöglichkeiten für den Islam sowie die stärkere Verbindung zum missionarischen Auftrag der Kirche geschaffen.
Bischof Suetta betont, dass eine offene Haltung gegenüber anderen Religionen nicht bedeutet, die eigene christliche Identität aufzugeben. Die Initiative wurde bereits seit den 1980er-Jahren im Bistum Ventimiglia-San Remo von Muslimen stark präsentiert, weshalb die Kirche sich über das praktische Engagement der Caritas bemüht hat.
Zusätzlich wird die Initiative durch Kardinal George Jacob Koovakad, Präfekt des Dikasteriums für den interreligiösen Dialog, unterstützt. Der Vatikan veranstaltet im Oktober 2026 in Sanremo einen speziellen Dialog über die Bedeutung des interreligiösen Austauschs in der Region.
Die Idee entstand aus einem praktischen Gespräch mit einem ehrenamtlichen Mitarbeiter, der fragte, warum nicht auch den christlichen Glauben neben materieller Hilfe angeboten werden sollte. Für Suetta ist dieser Schritt ein entscheidender Bestandteil der christlichen Nächstenliebe und des missionalen Engagements.