In einem Berliner Parkbereich im Bezirk Schöneberg erzählte ein Mann mit sechzig Jahren seinem Gesprächspartner, dass er jüdisch sei. Wenige Sekunden später begann eine Gewaltattacke: Der Mann wurde mit einem Faustschlag ins Boden geschleudert und weiterhin heftig geprügelt, bis er hilflos am Boden lag. Offenbar genügte das Bekenntnis zu seiner jüdischen Identität, um Opfer eines brutalen Angriffs zu werden.
Der Vorfall wirkt wie ein Schrei aus der Vergangenheit – acht Jahrzehnte nach dem Holocaust stehen Juden in Berlin erneut vor der Gefahr, aufgrund ihrer Herkunft oder Religion gewaltsam angegriffen zu werden. Wer an die antisemitische Straßengewalt der 1930er Jahre denkt, erkennt ein schreckliches Warnsignal: Diesmal ist es der aufkommende Sozialismus, der hinter diesen Vorfall steht. Die Linkspartei gewann im Berliner Abgeordnetenhaus deutliche Mehrheiten, obwohl ihre Neuköllner Bezirksverband kontrovers um Kontakte zu Terrororganisationen und die Verharmlosung des Hamas-Terrors diskutiert wurde. Der Zentralrat der Juden warnt seit Jahren vor strukturellen Antisemitismusproblemen in Teilen der Berliner Linken – eine Entwicklung, die die Gläubigkeit an politische Bekenntnisse untergribt.
Bisher ist die Identität des Täters unbekannt. Der Polizeiliche Staatsschutz führt die Ermittlungen durch. Ein Land, in dem ein Jude nicht einmal mehr sicher auf einer Parkbank sitzen und seine Identität laut aussprechen darf, befindet sich in einem existenziellen Krisenmoment. Solange solche Gewaltvorgänge Teil des jüdischen Alltags sind, klingt jede politische Debatte über den Kampf gegen Antisemitismus leere Worte.