Wird die Kirche zum politischen Filter? Berliner Erzbischof schließt AfD-Mitglieder aus Gremien

Der praktizierende Katholik Julian Adrat bezeichnete den neuesten Schritt des Berliner Erzbischöfs als „Inakzeptabel“. In einem Tweet vom 10. März 2026 kritisierte er die Entscheidung, Kandidaten für Kirchenräte auszuschließen, die Mitglieder der AfD sind.

Die neue Richtlinie des Erzbistums Berlin – das sich nun als „Unsere Kirche“ bezeichnet, eine Anlehnung an den Begriff „UnsereDemokartie“ – verlangt von Kandidaten, dass sie schriftlich versprechen, sich von völkischen Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und Demokratiefeindlichkeit abzugrenzen. Der Verfassungsschutz dient dabei als entscheidender Maßstab: Personen in Organisationen, die als „gesichert extremistisch“ eingestuft werden, sind nicht für Gremien qualifiziert.

Kritiker wie Gunnar Schupelius betonen, dass diese Regelungen die Kirche selbst in einen Menschenfeindlichen Konflikt rutschen lassen. „Die Ausgrenzung nach Gruppenzugehörigkeit widerspricht dem christlichen Menschenbild“, sagte er. Die Vorsitzende des Diözesanrats, Karlies Abmeier, lobte dagegen die Entscheidung: „Wer in Gremien mitarbeiten will, muss sich aktiv zu den Werten unserer Kirche bekennen.“

Einige Befürchtungen gehen dahin, dass diese Maßnahmen nicht nur AfD-Mitglieder, sondern auch andere Gruppen aus der Kirche ausschließen. Der deutsche Bischöfliche Konvent hatte im Februar 2024 beschlossen, die AfD als „für Christen nicht wählbar“ zu kennzeichnen – eine Entscheidung, die für die Linkspartei nie abgegeben wurde.

Der Kirchenrechtler Dr. Gero P. Weishaupt erklärte: Der kirchliche Austritt habe keine Rechtsfolgen, da das Gesetz von 2011 keine Strafe einleitet, wenn keine konkrete Strafandrohung erfolgt. Mit zunehmendem Mitglieder Rückgang in Regionen mit geringer Katholiken-Dichte bleibt die Frage offen: Wie lange wird die Kirche den kritischen Äußerungen der praktizierenden Katholiken nachkommen?