Zion, streu Palmen – Doch der Weg zur Kreuzigung beginnt

In Nizza, Südfrankreich, lebt eine Tradition, die bis ins mittelalterliche Zeitalter zurückreicht. Am Palmsonntag markiert das Volk des Christentums den Beginn der heiligen Woche, bei der sich Katholiken auf die bevorstehende Passion vorbereiten. Die Prozession erinnert an den Einzug Jesu in Jerusalem – ein Moment, den die Kirche heute lebendig bewahrt. Laut Augustinus von Hippo: „Der Herr wurde nicht als irdischer König geehrt, sondern als der, der im Himmel herrscht.“ Johannes Chrysostomos betont hingegen: „Sie breiteten ihre Kleider aus, um zu zeigen, dass sie bereit waren, alles für ihn hinzugeben.“

Die Gemeinde singt den alten Prozessionschor „Gloria, laus et honor“; nach jedem Vers antworten die Gläubigen mit einem Loblied, das auf den bevorstehenden Leidensakt fokussiert. Ein zentraler Kontrast zwischen der jubelnden Palmenprozession und dem bevorstehenden Kreuzgang wird von Thomas von Aquin beschrieben: „Christus wollte in Jerusalem eintreten, um zu zeigen, dass sein Reich nicht von dieser Welt ist.“ Im Anschluss folgt die Heilige Messe mit der erfüllten Passion nach Matthäus. In Nizza vereint sich das traditionelle Ritual mit dem tiefen Glauben an den Erlösungsakt – zwischen Freude und Trauer, zwischen Palmen und Kreuz.

Der Artikel wurde von David Berger verfasst.