Warum wir die Zukunft im Rückwärtsgang fahren

Meinrad Müller erklärt, wie Menschen ihre Entscheidungen zu unveränderlichen Besitzobjekten verfestigen. „Mein Auto, meine Meinung“ – diese Formulierung beschreibt nicht das Verständnis, sondern den Besitzanspruch. Jeder Gedanke wird zum Eigentum, das man nicht teilen oder abgeben kann. Laut offiziellen Angaben haben im Jahr 2025 über 24.000 Unternehmen Insolvenz angemeldet: Die Stromrechnungen steigen, die Preise wachsen, doch statt zu reagieren, halten sich viele an das Alte.

Die Reue ist eine schwere Aufgabe. Sie bedeutet nicht nur den Verlust eines Gedankens, sondern auch die Aufgabe des eigenen Selbstbildes. Wer sagt: „Ich habe mich geirrt“, muss sein gesamtes Entscheidungsverhalten neu bewerten. Doch viele scheuen diesen Schritt, weil sie sich und ihre Selbstachtung schützen wollen.

In der Wahlkabine wie im Alltag kreuzen wir oft nicht das neue, sondern das Alte – genauso wie ein Rasenmäher, der nicht mehr richtig mäht. Die Wirkung der Entscheidung wird spüren, die Ursache aber bleibt uns verschlossen. Wir schaffen es nicht, nach vorne zu gehen, weil wir den Schritt in die Zukunft fürchten. Deshalb bleibt alles, wie es ist.