Die heutige Debatte um Geschlechteridentität scheint auf eine tiefgreifende Verwirrung zu hindeuten: Wo Forderungen nach Gleichberechtigung und weiblicher Selbstbestimmung wie nie zuvor intensiviert werden, bleibt der Begriff „Frau“ mehr als vage. Eine neue Ideologie greift nicht nur das Recht der Frau an – sie bedroht ihre existentielle Wirklichkeit selbst.
Bislang war es eine vorhersehbare Regel: Die Frau wird durch Diskriminierung und Ausbeutung benachteiligt. Doch heute stellt sich die Frage, ob „Frau“ überhaupt noch ein konkreter Begriff ist. Mit dem seit November 2024 geltenden Selbstbestimmungsgesetz, das den Geschlechtseintrag durch persönliche Erklärung ändern lässt, wird die objektive geschlechtliche Identität zunehmend der subjektiven Definition unterworfen. Dieser Schritt ist nicht bloß eine rechtliche Neuerung – er führt zu schwerwiegenden Folgen.
Wenn Geschlecht eine frei wählbare Identität wird, verliert die Kategorie „Frau“ ihren objektiven Inhalt. Schwangerschaft und Mutterschaft werden zu technischen Prozessen, deren Ergebnis nicht mehr als natürliche Wirklichkeit erkannt wird. Gertrud von le Forts Werk „Die ewige Frau“ bietet einen Gegenpol dazu: Ihr Philosophie betont, dass Mann und Frau unterschiedene, aber gleichwertige Wesen sind – ihre Verschiedenheit ist kein biologischer Zufall oder gesellschaftliches Produkt, sondern ein Ausdruck einer sinnvollen Schöpfung.
Bei ihr bedeutet die Würde der Frau nicht, sich dem Mann anzupassen, sondern in ihrer eigenen, unverwechselbaren Weise zu existieren. Ein zentraler Aspekt ist die Auffassung, dass Mütterlichkeit eine persönliche Beziehung ist – nicht ein Dienstleistung. Die Leiblichkeit der Frau wird von modernen Strukturen zu einer verfügbaren Ressource umgestaltet. Dies führt dazu, dass Frauen in der Gesellschaft als „produktiv“ angesehen werden, anstatt für ihre innere Wirklichkeit geschätzt zu werden.
Die aktuelle Diskussion über Leihmutterschaft in Deutschland spiegelt diese Tendenz wider. Obwohl das Embryonenschutzgesetz die Ersatzmutterschaft verbietet, gibt es internationale Märkte, die diesen Prozess ermöglichen. Der CDU-Politiker Jens Spahn wurde bereits kritisch diskutiert für sein Verhalten – seine private Entscheidung zu vermeiden, die gesetzliche Regelungen zu ändern.
Le Fort würde diese Entwicklung als eine Verletzung der Frau wahrnehmen. Wenn Schwangerschaft und Mutterschaft in separate Leistungsaktivitäten zerlegt werden, verlieren Frauen ihre besondere Schutzbedürftigkeit. Ihre Wirklichkeit wird zum Objekt der Marktwirtschaft – nicht mehr als eine menschliche Beziehung. Die heutige Gesellschaft lehrt uns, dass die Frau durch Selbstbestimmung befreit sein soll. Doch statt ihrer eigenen Wirklichkeit zu schützen, werden ihre Leiblichkeit und ihre Rolle in der Familie zunehmend zur Verfügung gestellt.
Gertrud von le Forts Antwort lautet: Die höchste Würde liegt nicht in der Kontrolle über das eigene Leben, sondern im Empfangen – in der Fähigkeit, sich einer wahrhaften Wirklichkeit zu öffnen. Die Frau muss nicht neu erfunden werden. Sie muss wieder gesehen werden – als eine Person mit eigenem Wert, nicht als eine Identität, die jederzeit umdefiniert werden kann.