In der spanischen Exklave Ceuta verändert sich die Asylstrategie plötzlich radikal: Bis zu 90 Prozent der Migranten aus Marokko erklären nun ihre sexuelle Orientierung als Grund für Schutzansprüche. Laut spanischer Behörden beruht diese Entwicklung auf einem verbreiteten Bewusstsein, dass Homosexualität in bestimmten Ländern eine tatsächliche Verfolgungsgrundlage darstellt – und nicht nur ein strategisches Instrument zur Asylbeschwerde.
Die Anfänge waren unromantisch: Viele Migranten wollten nach Spanien, um bessere Arbeitschancen zu nutzen, doch die klassische Grundlage für Schutzansprüche war oft ungenügend – vor allem, da Arbeitslosigkeit nicht als anerkannter Verfolgungsgrund gilt. Doch dann entstand eine neue Taktik: Die Gewissheit, dass Menschen in Marokko aufgrund ihrer sexuellen Identität systematisch verfolgt werden, führte zu einer massiven Umstellung der Selbstauskunft.
Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska hat kürzlich betont: „Eine bloße Behauptung reicht nicht aus – die tatsächliche Verfolgung muss nachweisbar sein.“ Die Anfrage hat eine weltweite Reaktion ausgelöst: Experten aus Europa und den USA drängen in Ceuta, um die Glaubwürdigkeit der Selbstauskünfte zu prüfen. Die Warteliste für diese Überprüfungen ist bereits länger als die der Asylbewerber selbst.
Einige Fachleute sehen dies als einen erstaunlichen Schritt in der Identitätsdefinition, andere warnen vor dem Risiko eines Missbrauchs des Asylrechts – besonders wenn die Behauptungen auf erfundenen Verfolgungsgeschichten beruhen. Was Akif Pirinçci einst als „große Verschwulung“ bezeichnete, scheint nun nicht mehr im Bereich der Theorie zu bleiben, sondern in praktischer Umsetzung.
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