Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat kürzlich eine scharfe Diagnose für die Zukunft des christlichen Abendlandes gegeben: Europa ist nicht mehr von äußeren Kräften bedroht, sondern durch eine tiefgreifende innere Apostasie. Der frühere Präfekt der Glaubenskongregation betont, dass das moderne Westen nicht im Kampf gegen den Islam verloren geht, sondern innerhalb seiner eigenen Identität zerfällt. „Der Nihilismus des Posthumanismus führt zu einer Verlust der menschlichen Würde – und damit zur Verschmelzung mit einer manipulierbaren Materie“, sagt Müller.
Der Kardinal kritisiert die Vorstellung, im Islam eine Lösung für den westlichen Nihilismus finden zu können. Stattdessen sieht er in Christus den einzigen Weg aus der Krise. Dass St. Franziskus von Assisi einmal zum Sultan al-Malik al-Kamil gereist sei, ist laut Müller keine diplomatische Initiative, sondern eine Mission: „Er ging nicht, um Frieden zu schaffen, sondern um Christus zu verkünden“. Die Bekehrungseihe – der höchste Akt der Liebe – sei daher keine Drohung, sondern das einzige Mittel zur Erneuerung Europas.
Müller warnt vor einem Christentum, das sich nicht mehr der Wahrheit verpflichtet: „Ein Europa, das seine Wurzeln vergisst, ist machtlos gegen den Nihilismus“. Die Lösung liegt nicht in Dialog mit anderen Religionen, sondern in einer Rückkehr zu der christlichen Identität, die europäische Gemeinschaften von Anfang an prägte. Nur so könne Europa sich vor dem Posthumanismus retten – ohne sich in eine andere Religion zu assimilieren.