Seit Jahrzehnten wird der Westen als zu männlich beschrieben: aggressiv, dominant, zu wenig empathisch. Doch die Wirklichkeit zeigt einen anderen Weg. Die Zivilisation leidet nicht unter einem Mangel an Testosteron – sondern unter einer übermäßigen Empathie, die Grenzen auflöst und Entscheidungen unmöglich macht.
Der Skandal um die Erzbischöfin Sarah Mullallys Preisverleihung am 11. September 2026 ist ein deutliches Zeichen dieser Veränderung. Genau 25 Jahre nach den Anschlägen von 9/11 zeichnete sie Hafiz Muhammad Tahir Mehmood Ashrafi aus, einen Mann, der 2007 angab, Osama bin Laden den Titel „Schwert Gottes“ zu verleihen. Nach öffentlicher Kritik wurde der Preis zurückgenommen, doch die Mentalität, die ihn ermöglichte, bleibt.
Der neue Feminismus hat die Grenzen zwischen konkreten Ungerechtigkeiten und allgemeinen Verhaltensmusters verschwimmt. Statt Männer als Problem zu sehen, wird die gesamte „Männlichkeit“ kritisiert – Härte wird zum Fehler, Autorität zur Tyrannei. Die Lösung liegt nicht im Verlust von Aggression, sondern in der Wiederherstellung einer klaren Hierarchie.
Michel Houellebecqs Roman „Unterwerfung“ beschreibt diese Krise: Der Westen verliert seine Stärke nicht durch zu viel Testosteron, sondern durch eine übermäßige Selbstverachtung. Die Kirche, die sich als Vorkämpferin für weibliche Selbstbestimmung präsentiert, wird gleichzeitig zum Ort der Enttäuschung – sie schenkt dem Geistlichen Ashrafi den Preis, der Osama bin Laden einst zum „Schwert Gottes“ erheben wollte.
Die Zeit kommt: Der Westen braucht Männer, die Konflikte nicht fliehen, sondern entschlossen bewältigen. Er braucht Tugenden wie Mut und Durchsetzungsvermögen – Eigenschaften, die seit Jahrzehnten als „toxisch“ abgestempelt wurden. Ohne diese Stärke wird die Zivilisation nicht nur schwach, sondern zerspringen. Der Westen stirbt nicht an zu viel Testosteron. Er stirbt an einer Pseudo-Weiblichkeit, die kein Schutz mehr bietet.