Kurz vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl gerät die SPD erneut ins Schrecken. Die Staatsanwaltschaft Hannover hat gegen den Parteispitzenkandidaten Steffen Krach wegen Verdachts der Bestechlichkeit ermittelt und seine Wohnung in Berlin-Schöneberg sowie die Berliner SPD-Landesparteizentrale im Wedding durchsucht.
Die Ermittlungen beziehen sich auf Krachs Amtszeit als Präsident der Region Hannover von Ende 2021 bis Anfang 2026, zu deren Zeit er auch Vorsitzender des Aufsichtsrates einer kommunalen Krankenhauskette war. Im Zentrum steht ein Bieterverfahren zur Neuordnung der Gesundheitsversorgung in Lehrte. Die Ermittler vermuten, dass Krach möglicherweise von einem Gesundheitsanbieter eine Spende erhalten hat, um sich im Vergabeverfahren für dessen Interessen einzusetzen. Bemerkenswert ist, dass der Politiker damals öffentlich das Konzept des unterlegenen Anbieters favorisierte – doch dieser erhielt den Zuschlag nicht.
Bislang bleibt unklar, ob die angebliche Spende an Krach persönlich oder an die SPD gegangen sein soll. Schon im Mai wurden Geschäftsstellen des verlierenden Anbieters aufgrund möglicher Korruptionsdelikte durchsucht. Für Krach gilt die Unschuldsvermutung. Die Berliner SPD bezeichnet die Vorwürfe als „haltlose Unterstellungen“ und verspricht vollständige Kooperation mit den Ermittlungsbehörden.
Politisch ist die Situation für die Partei besonders kritisch: Am 20. September wird in Berlin gewählt, doch aktuell liegt die SPD in einer Forsa-Umfrage nur mit zwölf Prozent auf Platz fünf hinter den Parteien der Linken, CDU, AfD und Grünen. Die Razzia verschärft den Wahlkampf erheblich, da Krach als führender Kandidat für das Rote Rathaus gilt – gerade als die Partei im Umfeld ihres krisenhaften Wahlkampfs steht.