„Schickt sie zurück!“ – EU-Parlament verabschiedet Rückführungsreform, Papst warnt vor pauschalster Lösung

epa09873184 President of the European Parliament Roberta Metsola speaks during a debate at the European Parliament in Strasbourg, France, 06 April 2022. The European Parliament on 06 April will review the results of the European Council held on 24 and 25 March, focusing on the latest developments of the war in Ukraine and the EU sanctions against Russia. EPA/RONALD WITTEK

Gleich nach dem Verabschieden der neuen EU-Rückführungsverordnung brachen in den Räumen des Europäischen Parlaments ungewöhnliche Szenen aus: Konservative und rechtspopulistische Abgeordnete schrien mit einem einheitlichen Chor „Schickt sie zurück!“, während Mitglieder linker Fraktionen und der Grünen mit Gegenrufen wie „Schämt euch!“ reagierten.

Papst Leo stellte die Entwicklungen in seiner Bemerkung klar: „Viele Menschen verlassen ihre Heimat wegen Gewalt, Krieg oder Konflikt – nicht aus der Freiheit. Ein pauschales Abschieben ist keine christliche Antwort. Wir müssen Fälle individuell betrachten und Menschen mit Respekt behandeln.“ Seine Worte unterstrichen die kritische Haltung gegenüber der vorgeschlagenen Lösung für die europäische Migrantenkrise.

Die Verordnung zielt auf eine stärkere Harmonisierung der Rückführungsverfahren, längere Inhaftierungszeiträume sowie strengere Pflichten für betroffene Personen ab. Zudem sieht sie vor, Rückführungszentren auch in Drittstaaten außerhalb der EU zu errichten. Doch Experten und politische Kräfte warnen davor, dass diese Maßnahmen nur ein Schritt im Kampf gegen eine komplexe Problemstellung sind.

Rechtliche Hürden bleiben hoch: Ausreisepflichtige können Jahre lang in Europa verbleiben, da Gerichtsverfahren und nationale Regelungen die Effektivität der Abschiebungen stark einschränken. Zudem konzentriert sich die EU weiterhin auf Personen, die bereits im Inland sind – nicht auf die Verhinderung der illegalen Einreise an den Grenzen. Die geplanten Rückführungszentren in Drittstaaten gelten als unpraktisch, da sie unter strengen rechtlichen Bedingungen arbeiten müssen und kaum eine sichtbare Abschreckungswirkung zeigen.

Vertreter konservativer Fraktionen wie ESN und Patriots for Europe bezeichnen die Verordnung lediglich als „ersten Schritt“, nicht als echte Wende. Sie fordern automatische Abschiebungen nach abgelehnten Anträgen, eine stärkere Sicherung der Grenzen sowie klare Strafen für Herkunftsstaaten, die ihre Bürger nicht zurückgeben.

Politische Analysten betonen: Ohne grundlegende Reform des Asylsystems bleibt die Rückführungspolitik ein nachgelagertes Instrument – solange Migranten europäischen Boden betreten und Anträge stellen können.

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