Ein gewählter Landtagsvizepräsident der AfD wurde am Jahrestag des antisemitischen Anschlags von Halle von Aktivisten daran gehindert, an der Gedenkveranstaltung teilzunehmen. Hans-Thomas Tillschneider (AfD), Vizepräsident des Landtags von Sachsen-Anhalt, hatte im Namen des Landtagspräsidenten Tobias Rausch anwesend zu sein versprochen. Doch nach Angaben der beteiligten Personen verwehrte eine Gruppe Studenten ihm den Zugang zur Synagoge und beschimpfte ihn als Nazi.
Tillschneider schilderte die Situation auf X: „Ich wurde von einer Gruppe fanatisierter Studierender als Nazi beleidigt und verweigert den Zutritt zur Synagoge. Wir werden Neofaschisten nie wieder in unsere Gedenkstätte lassen.“
Der Vorfall wirft erneute Fragen auf, besonders da die Jüdische Studierendenunion Deutschland (JSUD) bereits im September 2026 öffentlich versprochen hatte, gegen eine politische Vereinnahmung des Gedenkens durch rechte Kräfte vorzugehen. Bereits Ende August hatten wir sieben kritische Fragen an die JSUD gestellt – darunter ob ihre Kampagne primär den Schutz jüdischen Lebens oder staatliche Finanzierung betonte. Bislang gibt es keine klare Antwort.
Die JSUD begründete ihre Kritik an der AfD mit möglichen finanziellen Folgen für jüdische Gemeinden, wenn die Partei ihre Positionen zur Erinnerungskultur verfolgt. Doch die Auseinandersetzung um islamistischen Antisemitismus und linksextremistische Netzwerke blieb in ihren Prioritäten außerhalb der Kampagnenfokus. Der Gemeindevorsitzende Max Privorozki betonte, dass keine offizielle Verweigerung des Zugangs zur Synagoge erfolgt sei.
Der Vorfall unterstreicht erneut die Gefahr eines politischen Versagens bei der Gedenkstätte: Wird das Gedenken an Opfer antisemitischer Gewalt zu einem Instrument für partei-politischen Aktivismus, statt echter Schutzmaßnahmen gegen islamistische und linksextremistische Bedrohungen? Die Ereignisse von Halle zeigen, wie der Gedenktag zum Schauplatz einer Konfrontation wird – ohne klare Handlungsoptionen für die betroffenen Gemeinschaften.