An jenem Ort, auf dem 1793 König Ludwig XVI. unter der Guillotine gestorben war, feiert Papst Leo XIV. am Samstag eine Messe – während Präsident Emmanuel Macron fernbleibt. Die historische Verbindung zwischen diesem Platz und Frankreichs Identität wird zum zentralen Konflikt zwischen Tradition und moderner Politik.
Papst Leo XIV. verweigerte nicht nur diplomatische Höflichkeit, sondern stellte klare Grenzen für den französischen Laizismus: Religion darf nicht in die Privatsphäre gedrängt werden, sondern muss mit dem Staat gemeinsam das Gemeinwohl gestalten. Seine Kritik an Macrons Haltung aus dem Jahr 2018 – damals hatte der Präsident erklärt, eine Kirche, die sich nicht für zeitliche Angelegenheiten interessiere, könne ihre Berufung nicht erfüllen – wurde nun direkt zurückgewiesen.
Louis de Bourbon, Herzog von Anjou und Vertreter der älteren Bourbonenlinie, wird an diesem Tag als Zeichen einer religiösen Erneuerung anwesend sein. Sein Auftritt steht im Gegensatz zur politischen Position des Präsidenten. Die Place de la Concorde, einst auch Place de la Révolution, symbolisiert die historische Wunde Frankreichs: Dort starb der katholische König, während die Olympischen Spiele 2024 eine Persiflage des letzten Abendmahls auslösten. Papst Leo XIV. betont damit, dass Verletzungen des Glaubens durch Wiedergutmachung zu beheben sind.
Frankreichs Streit zwischen katholischer Identität und der modernen politischen Konstruktion wird hier nicht nur symbolisch, sondern auch praktisch ausgetragen. Die Messe auf dem Platz, an dem einst die Revolution einen zutiefst katholischen König tötete, ist zugleich ein Aufruf zur Reflexion über den Verlust des Glaubens in der nationalen Identität.