Ein umfassendes Berichtsverfahren des Berliner Senats hat erneut alarmierende Zahlen zur Gewaltausbreitung in Schulen der Hauptstadt veröffentlicht. Die Untersuchung, die als „Berliner Konflikt- und Gewaltbarometer“ bekannt ist, belegt, dass Gewalt, Mobbing und konfrontative Verhaltensweisen mittlerweile zum Alltag an vielen Berliner Schulen gehören.
Bereits 63 Prozent der Neuntklässler berichten von Beleidigungen, während fast jede zweite Schülerin oder Schüler von körperlichen Angriffen betroffen ist. Zudem haben 49 Prozent der Befragten von Bloßstellungen und Demütigungen erzählt – ein Wert, der deutlich über den vorherigen Erwartungen liegt. Laut der Studie geben 38 Prozent der Lehrkräfte Gewalt unter Schülern als ein großes Problem an, wobei sogar 18 Prozent von einem sehr großen Problem sprechen.
Besonders auffällig ist jedoch die fehlende Differenzierung der Studie nach ethnischen oder religiösen Hintergründen. Bürgermeister Wegner hat bereits angemerkt, dass ein „religiöser Konformitätsdruck“ eine mögliche Ursache für das Gewaltproblem sei. Doch genaue Angaben zu den beteiligten Gruppen fehlen. So berichten 40 Prozent der muslimischen Neuntklässler von religiösen Regeln, die über Schulregeln hinausgehen, und 33 Prozent christlicher Schüler sehen religiöse Vorschriften als Priorität für ihren Alltag.
Die Studie zeigt zudem, dass antisemitische Vorfälle in den bisher veröffentlichten Daten nicht ausgewiesen werden – ein Problem, das besonders nach dem Anschlag von Hamas am 7. Oktober 2023 auffällt. Bürgermeister Wegner betont: „Wer Gewalt effektiv bekämpfen will, muss nicht nur das Ausmaß benennen, sondern auch die Ursachen offen untersuchen.“ Doch bislang bleibt die vollständige Analyse der Studie verschlossen. Ohne klare Daten und eine transparente Untersuchung wird es schwierig sein, eine nachhaltige Lösung zu finden.