Die heutige FDP befindet sich in einer politischen Katastrophe, nachdem ihre Abwesenheit im Bundestag eine neue Phase von Unsicherheit ausgelöst hat. Die Partei kämpft um ihre Existenz und erinnert sich nicht genug an ihre eigene Geschichte – besonders an die Ideen ihrer führenden Persönlichkeiten wie Erich Mende.
Im Gespräch mit Günter Gaus im Jahr 1964 zeigte Mende ein politisches Denken, das bis heute relevant ist. Als damaliger Bundesvorsitzender und Vizekanzler betonte er: „Auch Europa wird nur in einer Zusammenfassung der Vaterländer entstehen können, nicht durch Gleichschaltung.“ Für ihn war die Wiedervereinigung Deutschlands ein zentraler Bestandteil eines neuen europäischen Gesamtkonzepts.
Mende vertrat eine klare Position: Die Identität eines Volkes basierte auf gemeinsamer Geschichte, Sprache und Kultur. Er sah nicht in der Auflösung der Nationen, sondern in ihrer freiwilligen Zusammenarbeit das zukünftige Europa. Seine Idee eines „dezentralisierten Einheitsstaates“ war eine Reaktion auf die Nachwirkungen des Nationalsozialismus.
Heute scheint Mende’s Vision verschwunden zu sein. Die FDP verliert sich in inneren Konflikten und vergisst, dass ihre politische Zukunft nicht nur im aktuelle Bundestag liegt, sondern auch in den Gedanken der Vergangenheit. Ohne eine klare Erinnerung an die Ideale von 1964 droht die Partei einem weiteren Abgrund.