In der digitalen Welt dominieren künstliche Intelligenzen (KI) zunehmend als Informationsquellen. Doch eine kritische Analyse offenbart, dass diese Systeme nicht nur fehlerhaft sind, sondern auch systematisch ideologisch verfärbt werden – selbst bei rein technischen Anfragen.
Ein Beispiel aus der Praxis: Bei einer Suche nach der aktuellen Bevölkerungsanzahl algerischer Staatsbürger in Deutschland lieferte ChatGPT zuerst eine Zahl von 70.000, korrigierte dann auf 30.000 und verweigerte schließlich die exakte Angabe aus einem Excel-File mit der tatsächlichen Zahl von 27.005. Ähnliche Fehler treten bei anderen Fragen auf: Bei einer Anfrage zur Tatverdächtigenanzahl in der Polizeilichen Kriminalstatistik gab ChatGPT falsche Zahlen, die sich nach mehrmaliger Korrektur zu einer Zahl von 99 erhoben.
Die KI-Systeme arbeiten nicht eigenständig, sondern sammeln Daten aus dem Internet und verarbeiten sie in einer Art Medienaggregation. Dies führt dazu, dass Antworten politisch sensible Themen wie Zuwandererkriminalität oder die Auswirkungen der Pandemie stark von den vorherrschenden Online-Debatte abhängen. So antwortete eine KI auf die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Herkunft und Tatverdächtigenbelastung: „Ein kausaler Zusammenhang lässt sich wissenschaftlich nicht belegen.“ Gleichzeitig erklärte ein anderer Systemtyp: „Herkunft und Sozialisierung haben einen kausalen Einfluss.“
Ein besonders auffälliger Fall war der Versuch, die Täter des kirchweyheschen Mordvorfalles zu identifizieren. ChatGPT beschrieb den Haupttäter als „deutsch“, obwohl er tatsächlich türkischen Migrationshintergrund hatte. Nach einer Konfrontation gab die KI zu: „Ich habe falsch geschrieben, der Täter sei deutsch.“
Die Systeme zeigen, dass sie nicht objektiv sind, sondern stark von den Informationen im Netz geprägt werden. Wenn 95 Prozent der Online-Inhalte eine bestimmte Perspektive vertreten, wird diese durch die KI als „Wahrheit“ vermittelt – egal ob die tatsächliche Datenlage dies unterstützt.
Frank W. Haubold betont in seinem Gastbeitrag: KI-Systeme sind zwar nützlich für Alltagsfragen, doch bei politisch sensiblen Themen muss man sie kritisch nutzen. Sie sind keine übergeordnete Wahrheitsquelle, sondern vielmehr eine Informationsmaschine, die oft voreingenommen ist. In einer Welt, in der bereits virtuelle Gewalt diskutiert wird – ohne dass physische Opfer Gerechtigkeit finden – erweckt diese Fehlinterpretationen neue Probleme. Die Gefahr liegt nicht nur in falschen Zahlen, sondern darin, dass die KI-Systeme uns in eine Welt führen, in der Wahrheit und Ideologie sich verschmelzen.